TuneLab:
(nur für Klavierbau-Kollegen eigentlich)
Seit meiner Ausbildung im Jahr 1975 stimme ich nach Gehör. Kontakte mit Stimmgeräten gab es auch hin und wieder, aber nie befriedigende. Was nicht verwundert, da eine Stimmung für alle Instrumente passend sein sollte. Das ist aber nicht möglich, da ein Kleinklavier z.B. eine völlig andere Stimmung benötigt als ein langer Konzertflügel.
Arbeiten mit dem
Stimmprogramm von TuneLab:
Ich stimme seit Anfang 2004 mit diesem Stimmprogramm. Von ernst
zu nehmenden Kollegen darauf hingewiesen, habe ich mich intensiv
damit beschäftigt und fand die Sache einen Versuch wert.
Bislang
war ich, wie viele andere Klavierstimmer auch, der Meinung,
daß
man mit Stimmgeräten keine ordentlichen Stimmungen machen
kann.
Die Aussage ist für ältere Geräte auch
zutreffend, für die
neueste Generation nicht mehr. Der Unterschied liegt darin,
daß
in den älteren Geräten eine oder vielleicht auch
mehrere
Stimmungen gespeichert sind, die dann überall passen sollen.
Das
ist schlicht und einfach unmöglich! Bei einem Kleinklavier
muß
die Stimmung erheblich anders ausfallen als bei einem langen
Konzertflügel oder gar einem Cembalo. Diese Unterschiede in der
Inharmonizität werden von den neuen Stimmprogrammen aber
aufgenommen und verarbeitet. Heraus kommt dann eine Stimmung, die
nur für das eingemessene Instrument paßt und eine
Qualität
aufweist, die beeindruckend ist.
Ein Vorteil beim Stimmen mit Computer ist der, daß man schon
den
Überblick über das ganze Instrument hat, bevor man
anfängt zu
stimmen. Deshalb paßt man die Streckung der Stimmung sehr
individuell an die vorhandenen Gegebenheiten an.
Weil ich von dem Programm sehr schnell begeistert war, habe ich
es auch im Außendienst eingesetzt. Dabei bin ich sehr
offensiv
vorgegangen, habe allen Kunden gleich erzählt, weshalb ich
damit
stimme. Ich habe das Gefühl, daß ich
dadurch nicht einen
Kunden verloren habe. (Vielleicht doch den, der mich anrief, weil
auf meiner Internet-Seite stand, daß ich nur nach
Gehör stimme.
Und das war inzwischen dummerweise nicht mehr aktuell.) Bei
vielen habe ich großes Interesse daran erlebt. Ich
weiß von
mir, daß ich jetzt ein bißchen besser stimme und
weil meine
Überzeugung groß ist, habe ich wenig
Widerstände gespürt. Bei
dem ein oder anderen Kunden muß man schon mal ein wenig
diskutieren. Aber wenn man selbst davon
überzeugt ist, ist das nach meiner Erfahrung kein Problem.
Heimlich oder mit dem Hinweis: "Der läuft nur so aus
Kontrollgründen mit!" sollte man das nicht machen. Es ist
ja auch immer noch so, dass das Gehör das
Gerät; kontrolliert und zum Chorreinstimmen ja sowieso benutzt wird. (Als den größten Nachteil
beim
Gerätestimmen empfinde ich, daß ich mir nicht mehr
so gut die
Buchrücken in den Regalen angucken kann.) Da das
Stimm-Ergebnis
aber besser geworden ist, macht mir das Stimmen insgesamt wieder
mehr Spaß. Zu Konzertstimmungen z.B. gehe ich sehr viel
entspannter! Besonders bei starken Nebengeräuschen auf der
Bühne kann das die einzige Möglichkeit sein,
überhaupt stimmen
zu können.
Nach fast 30 Jahren nach Gehör stimmen, bedarf es doch einer
Umgewöhnungszeit, um die fest verwachsene Verbindung
"Gehör - Hand" um eine weitere Komponente, die Augen,
zu erweitern. Im Idealfall kommt es so zu einem Wettstreit
"Computer - Gehör", und bei einer guten Einmessung
wird man feststellen, daß der Computer oftmals die Nase vorne
hat. Da ich selbst auch früher gegen "Stimmgeräte"
eingestellt war, versuche ich den Begriff heute zu meiden und
eher vom Computer zu sprechen.
Das amerikanische Programm von TuneLab kann auf einem PC
installiert werden, ideal ist natürlich das Pocket-PC
Programm.
Mit meinem "Smartphone" (Pocket-PC mit integriertem
Handy) habe ich jetzt mein komplettes Büro in der Hemdtasche:
Adressen, Kalender, Sonstige Aufgaben, Stimm-Programm, Telefon
und Navigationssystem. Eine Nutzung "nur" als
Stimmgerät, auch ohne Synchronisation mit dem PC, ist
natürlich
auch möglich. Aber da die Laptops mittlerweise auch immer kleiner
werden, vertreibe ich auch das PC-Programm TuneLab-Pro, allerdings ohne
übersetztes Handbuch. Es gibt aber viele, viele
Überschneidungen.
Weil ich das TuneLab-Programm erstens für sehr gut halte und
weil es zweitens in Deutschland wenig bekannt ist, habe ich die
Vertretung für den deutschsprachigen Raum übernommen
und die
komplette Betriebsanleitung übersetzen lassen. Die
Bezeichnungen
auf dem Bildschirrm und die Hilfen, die
auf fast jeder Seite angeboten werden sind größtenteils in deutsch. Sie sind
sehr umfangreich und gründlich. Auch das
Installations-Programm
ist in deutsch. Für Computer-Anfänger wäre
es sicherlich gut,
wenn sie trotzdem jemanden in Reichweite haben, den sie bei
allgemeinen Computer-Problemen zur Hilfe heranziehen können.
Beim ersten Öffnen des Programms kann man sich schon ein wenig
verschrecken: aber ein Klavierbauer, der sich ein wenig mit
Teiltönen, Cents, Frequenzen und Inharmonizität
auskennt, wird
bald damit klarkommen. Und man muß schon wissen, was man da
macht, sonst sollte man die Finger davon lassen. (Deshalb hab ich
auch keine Angst, daß uns mit den Stimmgeräten
Konkurrenz
entsteht von Leuten, die sich Stimmhammer und Gerät kaufen und
dann ihr Klavier selbst stimmen. Ich hab in meiner 30-jährigen
Klavierbauerzeit nicht eine Person getroffen, die, wenn sie das
Stimmen nicht ständig betreibt, auch eine nur halbwegs gute
Stimmung hinbekommen hätte. Wirbel- und Saitensetzen und viele
andere Sachen gehören eben auch dazu.)
Rückmeldungen über Fehler, Verbesserungen oder gar Lob werden bei mir dankbar ankommen!
(Mit rechter Maustaste anklicken: "Ziel speichern unter..." auf Ihrem Computer ablegen!)
Download: Handbuch TuneLab-deutsch, Version 4.0, PDF-Datei
Download: Arbeiten mit TuneLab
(Artikel aus der Zeitschrift Euro-Piano 4/2005), PDF-Datei
Mit der Trial-Version (Versuchsprogramm), die nach einiger Zeit den Hinweis einblendet, daß man mal überlegen sollte das Stimmprogramm zu kaufen, kann man gut Erfahrungen sammeln. Ein Pocket-PC-Wechsel ist übrigens kein Problem: Das Programm benötigt zum Funktionieren nur den richtigen Benutzer-Namen und den Code.
Für die eigene Sicherheit kann man mal von Zeit zu Zeit das Gerät auf die Tonhöhe kontrollieren. Das geht gut und einfach mit einer Telefonnummer in Österreich, die ständig 440 Hz sendet: 00 43 - 11 507. Wichtig ist, dass man nach jedem Hard-Reset oder Neuinstallation die Höhe kontrolliert.
Ich habe mich
zeitweise sehr mit historischen Stimmungen beschäftigt und
auch
eine eigene ungleichstufige Temperatur entworfen. Das Umsetzen
solcher Temperaturen ist mit dem TuneLab-Programm natürlich
auch
die reinste Freude. Zum Download habe ich hier einen Artikel für
die Fachzeitung Euro-Piano und einen graphischen Stimmungsvergleich
bekannter Temperaturen
eingestellt. Besonders interessant ist die neue Bachstimmung!
Im
Programm integriert sind die wichtigsten 12 Stimmungen, von der
www.tunelab-world.com-Seite oder hier kann man weitere 71 Stimmungen laden.
Durch Einfügen von zwölf Cent-Abweichungen kann man unbegrenzt weitere
Stimmungen einfügen. Ich habe eine Auswahl
der mir wichtigsten Stimmungen zusammengestellt, inklusive der neuen
von Bradley Lehmann publizierten Bachstimmung und der "Wiese-Stimmung"
in verschiedener Intensität.
Mit diesem "Schwebungsrechner"kann man eigene Stimmungen entwerfen oder alte analysieren.
Download: Plädoyer für Wohltemperierung
(Artikel aus Euro-Piano 1/2006), PDF-Datei
Download Historische Stimmungen (inkl. Schwebungstabellen), PDF-Datei
Und jetzt das Wichtigste: Dieses Profi-Stimmprogramm kann man kaufen!
Das Programm
kostet bei mir genau
soviel genau sowenig!! wie
in den USA (340 Dollar = ca. 260,- €, Stand: 03.01.2012), aber nur bei
mir gibt es das Programm mit der deutschen Hilfe-Datei und
deutscher Installations-Datei.
Viel Spaß beim Stimmen wünscht
Wolfgang Wiese
Rufen Sie mich an: Tel 00 49 - 421 - 41 48 32